Zweiter Mannschaftskampf der U16 gegen den Gütersloher SV am 10.10.2026
Einen famosen Erfolg konnte unser U16-Nachwuchs zu Gast beim Schachverein Güterloh am zweiten Spieltag für sich verbuchen. Austragungsort war die vor nicht allzu langer Zeit frischsanierte Mensa der Anne-Frank-Gesamtschule, welche sehr gute räumliche Bedingungen bot. Gegen die nominell stärkste Mannschaft der Liga war solch ein Ergebnis im Vorfeld nicht abzusehen, zumal krankheitsbedingt auf den Mannschaftsführer Leon verzichtet und daher das Brett 3 kampflos abgegeben werden musste. Von diesem Rückstand ließen sich Jesper, Jonas und Bennett aber nicht beirren und zeigten mit Konzentration, Ausdauer und guter spielerischer Übersicht, dass auch Favoriten schlagbar sind.
Den Auftakt machte Bennett an Brett 4 mit Schwarz. Deutete es während der Eröffnung mit abgelehnter Nimzowitsch-Verteidigung zunächst daraufhin, dass es eine zügige Partie werden könnte, so ließ sich Bennett kurz darauf von der schnellen Spielweise seines zwölfjährigen Gegners mit einer DWZ von 1400 nicht weiter anstecken. Den Raumvorteil, den der Gütersloher nach den ersten Zügen hatte, schien ihn zu einer überhasteten Aktion auf dem Damenflügel zu verleiten. Das vermeintlich gewinnbringende Läuferopfer auf a6 konnte Bennett mit dem Einsatz seines Turmes klar widerlegen. Die daraus resultierende Figurenmehrheit verteidigte er nicht nur geschickt, sondern durch gut überlegte Springer-Kombinationen baute er schließlich seinen Vorsprung sogar auf einen Turm aus. Bennett legte dabei eine bemerkenswerte Übersicht an den Tag: Attacken des Gegners wich er nicht voreilig aus, sondern fand mit sehr guten Gegenattacken die besseren Antworten. Nach dem von ihm erzwungenen Damentausch sah sein Gegner die aussichtslose Lage ein und gab auf, sodass nach einer guten Stunde der Rückstand aufgeholt war. 1-1.
Den zweiten Punkt steuerte Jesper am Spitzenbrett mit den weißen Figuren bei. Nach einem abgelehnten schottischen Gambit konnte er durch eine offensive Herangehensweise die Rochade seines 13järigen Gegners zerstören. Dies und auch voreilige Züge des Gegners führten schnell zu einem unstrukturierten Aufbau für Schwarz, sodass Jesper diesen Vorteil schon bald in einen Figurengewinn ummünzen konnte. Durch ein schönes Läuferopfer nebst Schach verbuchte er noch einen zusätzlichen Qualitätsgewinn. Sein Gegner spielte zwar noch weiter, konnte aber gegen Jespers Figurenmehrheit nichts mehr ausrichten. Mit konzentriertem Spiel setzte Jesper schlussendlich nach knapp 2 Stunden Spielzeit seinen Gegner mit Dame und Turm matt. 2-1 für Kirchlengern.
Die Partie von Jonas, welcher durch seinen Erfolg mit den schwarzen Figuren den Mannschaftssieg vollendete, geriet an Brett 2 im Endspiel zu einem regelrechten Krimi mit wechselhaften Chancen. Nach indischer Verteidigung (beschleunigtes Londoner System) und erstem Figurentausch im 10. Zug deutete es schon früh daraufhin, dass dies die längste und am meisten umkämpfte Partie werden würde, zumal Jonas 15jährige Gegnerin mit gut 1550 nicht nur das auf dem Papier stärkste Mitglied der Gastgebermannschaft war, sondern durch konzentriertes Spiel und Ausdauer genau wie ihr Gegner beeindruckte. Nach dem Damentausch konnte sie zunächst einen Bauern gewinnen und auf dem Damenflügel sich einen gedeckten Freibauern schaffen, welcher nach weiteren Figurenabtauschen die Waage kräftig zuungunsten von Jonas verschob. Nachdem aber die Gütersloherin mehrere Möglichkeiten ausließ und ihren Freibauern im inzwischen stattfindenden Turmendspiel voreilig auf c7 schob, konnte Jonas das Blatt wenden. Seine Türme positionierten sich deutlich aktiver als die gegnerischen und konnten die weißen Bauern insbesondere auf dem Königsflügel fast ungehindert einkassieren. Hierbei zeigte Jonas sowohl eine erstaunlich abgeklärte Spielweise als auch ausgeprägten Überblick. Mit zwischenzeitlich 3 verbundenen Freibauern auf dem Königsflügel schien der Sieg für Jonas schon zum Greifen nah. Doch da verschätzte Jonas die Lage: anstatt seinen Turm für den einzig verbliebenen gegnerischen Freibauern auf a7 herzugeben, sodass seine Freibauern für den verbliebenen weißen Turm unaufhaltsam geworden wären, entschied sich Jonas anders, wodurch für Weiß nach Turmopfer die Umwandlung des Freibauern zur Dame ermöglicht wurde. Das Endspiel mit Turm und 3 Bauern gegen Dame schien für Jonas nur noch im besten Fall Remis. Ein Remisangebot schlug die Gegnerin aus, aber kurz darauf geschah ihr der kapitale Fehler: Beide Könige standen auf der 5. Reihe. Weiß gibt auf d5 mit Dame ein Schach, übersieht dabei aber, dass Jonas seinen Turm dazwischen ziehen kann und damit die gegnerische Dame fesselt. Nach dem Verlust der Dame war die Partie im Prinzip entschieden. An der Stelle passierte Jonas ein kleiner Lapsus: in der verständlichen Vorfreude auf den Sieg, fragte er seine Gegnerin für alle hörbar, ob sie jetzt schon aufgeben möchte. Die – wenn auch in aussichtloser Situation – taffe und mit Humor vorgetragene Antwort erfolgte prompt: „Ich geb nicht auf!“. So führten die beiden die insgesamt wechselvolle und spannende Partie, welche den Zuschauern auch eine Gefühlsachterbahnfahrt bescherte, bis zum Matt durch Jonas weiter.
Der Mannschaftssieg (3-1) gegen die Gegner aus der Dalkestadt, deren Verein in der Jugendarbeit quanti- und qualitativ in OWL beispielgebend ist, kam durch hervorragende Leistungen der Kirchlengeraner in Puncto Konzentration und Ausdauer zustande. Zwei schöne Mannschaftspunkte waren der gerechte Lohn!
Ein spezielles Dankeschön auch an Norman und Mirko, die Papas zweier unserer siegreichen Spieler, für ihre Zeit und Fahrdienste. So konnte der Verfasser dieser Zeilen bequem mit dem Zug an- und abreisen.
Weiter geht’s für unsere U16 kompakt im Dezember: am 12.12.26 auswärts gegen den Rhedaer SV II und am 19.12.2026 (aufgrund von Spielverlegung) zuhause gegen unsere spielstarken Nachbarn der SG Bünde.
Tobias
